, Wachter Wolfram

Hege-Abschuss eines 11-jährigen Gamsbocks im Revier Bludenz II – Garnila

Hege-Abschuss

Hege-Abschuss eines 11-jährigen Gamsbocks im Revier Bludenz II – Garnila

An einem besonders schönen Novemberwochenende lag im abgeschiedenen Talkessel der Eigenjagd Bludenz II – Garnila jene stille, klare Stimmung, wie sie nur die späte Herbstzeit in den Bergen hervorbringt. Zwischen mächtigen Fichtenwänden und dichtem Latschenwerk bot sich eine eindrucksvolle Kulisse.

Die Gamsbrunft war voll im Gange, doch der Anblick an diesem Wochenende war leider wenig erfreulich. Im gesamten Revier konnten wir lediglich drei Stück Gamswild ansprechen. Eine gute Geiß mit Kitz hielt sich im Lager auf und sicherte auf unsere Seite, während wir langsam und vorsichtig den Hang oberhalb der Latschen absuchten.

Nach einem kurzen Abspiegeln mit dem Fernglas erkannten wir schließlich einen reifen alten Bock, dessen Verhalten nicht ganz seinem Alter entsprach. Er wirkte unruhig, sonderte sich ab und zeigte ein auffälliges Bewegungsmuster. Beim genaueren Beobachten mit dem Spektiv wurde klar, was sein Verhalten erklärte: Die linke Gamskrucke war gebrochen und die nach vorne hängende Krucke verdeckte ihm das Licht. Die Ursache war nicht sicher festzustellen, aber der Verdacht auf einen Steinschlag lag nahe.

Damit stand außer Frage, dass es sich hier um einen eindeutigen Hegeabschuss handeln würde – ein Eingreifen, das weiteres Leiden verhindert und die Gesundheit des Bestandes schützt.

Als der richtige Moment kam, wurde der Schuss ruhig und präzise angebracht. Der Gamsbock sackte leise zusammen, rutschte durch die Latschen etwas in unsere Richtung, und der Bock war erlöst. Ein schneller, sauberer Abschluss, der uns erneut daran erinnerte, wie viel Gewalt, Stärke und zugleich Zerbrechlichkeit in der Natur liegen durch den Menschen.

Beim Bergen bestätigte sich das Bild:
Der Stirnzapfen war bis auf die Schädeldecke gebrochen, ein schweres Trauma, das dem Bock erhebliches Leiden verursacht hatte. Durch den Hegeabschuss konnte dieses Tierleid verhindert werden.

Abschließende Würdigung

Der 11-jährige Gamsbock zeigte deutliche Verletzungen, die ihm in der bevorstehenden Winterzeit kaum Überlebenschancen gelassen hätten. In Verbindung mit der eingeschränkten Sichtung von Wild in der laufenden Brunft bestätigt der Vorgang einmal mehr, wie wichtig eine aufmerksame, verantwortungsvolle und ethische Hege im alpinen Lebensraum ist.